Friday, 9. october 2009
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15:29
Ich hatte ganz vergessen, dass ich ja auch abseits meiner MB-Erfolge und Misserfolge doch immer auch recht viel
anderes geschrieben hatte, daher jetzt auch wieder mehr davon...
Ich war mal wieder am Bodensee zu Besuch bei meinen Eltern und eines abends kam mein Papa noch zu mir ins Zimmer und
wollte, nachdem er mir eine gute Nacht gewünscht hatte, nicht so recht gehen. Er stand in der Tür und druckste rum, irgendwas wollte er noch loswerden, wie ein kleiner Junge, der irgendwas
ausgefressen hatte. Es dauerte noch einige Minuten, bis er dann endlich die Katze aus dem Sack ließ...er wollte mich fragen, ob ich Lust hätte, mit ihm gemeinsam den kompletten Bodensee zu
umradeln. Natürlich hatte ich das und so stand unser Plan!
Also nahm ich mir die erste Septemberwoche Urlaub und fuhr an den See. Mama wurde kurz vorher krank und ich warnte nur
des öfteren am Telefon, sie solle Papa nicht mit ihrer Erkältung anstecken. Was war das Ende vom Lied, Papa blieb gesund, wer letztendlich ebenfalls erkältet ankam war ich ;-) Wir verschoben
unsere Radltour dann um einen Tag und noch halbwegs verschnupft und mit Halsschmerzen meinerseits starteten wir dann am 1. September unsere Tour.
Der erste Tag war traumhaft, fast schon zu heiß aber einfach nur schön sommerlich sonnig. Wir fuhren von Salem über
Immenstaad, Friedrichshafen, Lindau und verließen dann die deutsche Grenze, weiter nach Bregenz um schließlich abends in der Dämmerung in Höchst unsere Bleibe für die Nacht zu suchen. Das schöne
Zimmer mit Luxusetagenbad in einer Privatpension war perfekt für eine Nacht nach diesem anstrengenden Tag. Leider hatten aber an diesem Abend alle Restaurants geschlossen und Imbisse waren in dem
kleinen Ortsteil weit entfernt. Glücklicherweise fanden wir dann doch noch eine kleine Bar, in der sich die Dorfmänner auf ein Bier versammelt hatten und wir bekamen dort neben unserem verdienten
Bier sogar eine Kleinigkeit zu essen.
Das Frühstück in der Privatunterkunft am nächsten morgen war einfach nur perfekt und wir brachen kurz darauf zur zweiten
Etappe auf. Von Österreich ging's dann direkt in die Schweiz und ich muss sagen, die schweizer Seite des Sees ist wirklich fast die schönste, zumindest ganz unten im Süden. Bis Romanshorn hatten
wir ebenfalls Traumwetter und in einem schönen Café gönnten wir uns eine kleine Pause, bis ich mit Schrecken feststellte, dass hinter uns vom See her tiefdunkle Wolken aufzogen. Das brachte uns
dazu, in die Pedale zu treten, doch leider war das Unwetter schneller und holte uns kurze Zeit später ein. Nur Regen wäre kein allzugroßes Problem gewesen, da wir dank meiner guten Vorbereitung
bestens mit Regenkleidung ausgestattet waren, doch das drohende Gewitter machte uns dann doch größere Sorgen und wir mussten eine weitere Rast in einem sehr gemütlichen Café einlegen. Als es aber
langsam abend wurde und ich um fünf voller Panik feststellte, dass wir ja noch gute 50km vor uns hatten, brachte uns das dann doch dazu, wieder aufzubrechen. Im strömenden Regen ging's also
weiter, das Gewitter verzog sich glücklicherweise langsam und nach ein paar Kilometern fand auch der Regen ein Ende. Nach Kreuzlingen fuhren wir immer schneller, um noch einigermaßen im Hellen
anzukommen, doch das war definitiv nicht mehr möglich. In Stein am Rhein war es schon stockfinster, Papa's Vorderlicht verabschiedete sich leider von der Halterung und wurde von ihm selbst
überfahren, sodass wir nur noch langsam vorankamen, da er immer direkt hinter mir fahren musste und wir bei schlechter Sicht Probleme hatten, den richtigen Weg zu finden. Nach langer Suche und
durchquerten dunklen Wäldern mit den gerade genannten Lichtproblemen, fanden wir nach diversen Nachfragen endlich auch unsere zweite Unterkunft in Öhningen. Es war mittlerweile aber so spät
geworden, dass wir das Zimmer nicht mehr verließen, da es in der Nähe anscheinend auch keine großartigen Möglichkeiten zum Einkehren mehr gab. Wir mussten uns also mit den mitgebrachten
Müsliriegeln begnügen, doch nach all den Anstrengungen fiel ich sowieso halb tot ins Bettchen. Nachtruhe war jedoch leider kaum gegeben, nicht dass wir nicht schöne Zimmer in abgelegenen Orten
hatten, nein, es war eher mein Papa, der mich nicht schlafen ließ. Schnarchen in derartigen Dimensionen lässt selbst die Wirkung der besten Ohropax verpuffen.
Nicht wirklich ausgeruht aber auch mit gutem Frühstück und mittlerweile doppelt gepolstert mit zwei Radlerhosen
übereinander ging's nun am dritten und letzten Tag weiter in Richtung Heimat. Leider überraschte uns kurz nach unserem Start ein fieser und starker Dauerregen, der uns schon ab Radolfzell bis
kurz vor Sipplingen begleitete. Wenn ab einem gewissen Zeitpunkt nicht nur alles von oben nass ist sondern auch von unten die Pfützen spritzen und selbst doppelte Radlerhosen komplett durchnässt
sind, ist der Spaß irgendwie verflogen. Ich konnte irgendwann nur noch lauthals hysterisch lachen, was nicht ganz auf Verständnis stieß, ich glaube ich war dem Wahnsinn schon recht nahe ;-) Meine
letzten Kräfte waren dabei mich zu verlassen und ich war froh, als wir endlich in Sipplingen ankamen, unserem vorab vereinbarten Zwischenziel, dem Seehaus. Nachdem es am Tag zuvor nur blöde
Müsliriegel gab, gönnten wir uns dort ein schönes Abschlussessen und ich habe dort wohl das größte Steak meines Lebens verspeist. So gestärkt ging es dann auch leichter wieder Richtung Heimat und
die letzten Kilometer ließen sich auch noch überwinden. Nach drei Tagen durch drei Länder und knappen 240km kamen wir dann glücklich wieder in Salem an. Meine Erkältung hatte ich in den drei
Tagen schön weggeradelt, aber sie kam leider kurz darauf wieder zurück, wahrscheinlich auch aufgrund der doch nicht zu verleugnenden Anstrengung, aber das war's wert, ein wirklich schöner und
niemals vergessener Raldtrip um den ganzen Bodensee. Danke Papa, es war wirklich schön mit Dir! Und, ach ja Papa, mit lieber Rücksicht habe ich den Brezelkäfer aus der Erzählung rausgelassen
;-)
finally arrived :-)
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